Bopfingen

Die kleine Reichsstadt führte mit der Unterstützung anderer Reichsstädte in einem katholischen Umfeld 1546 die Reformation ein und konnte die die neue Lehre gegen alle darauffolgenden Rekatholisierungsversuche behaupten.

Bopfingen

Von: Herkle, Senta

Inhaltsverzeichnis
  1. 1: Von der Siedlung zur Reichsstadt
  2. 2: Die Anfänge der Reformation: die Prediger Theobald Gerlacher und Wolfgang Vogel
  3. 3: Die Einführung und Durchsetzung der Reformation
  4. 4: Die Auswirkungen der Reformation auf das Kirchen- und Schulwesen
  5. 5: Die Entwicklungen seit dem 30jährigen Krieg
  6. 6: Die Stadtkirche St. Blasius
  7. 7: Wallfahrtsort und Mirakelbuch
  8. Anhang
  • Umfang des Gebietes: Bopfingen, zu großen Teilen Oberdorf
  • Hauptort: Bopfingen
  • Evangelisch seit: 1546 Durchsetzung der Reformation
  • Teil der Landeskirche seit: 1810 Übergang an Württemberg
  • Besonderheiten: Konfessionsbild, Mirakelbuch

Erinnerung an das Augsburger Bekenntnis von 1530 (Konfessionsbild). Gemälde in der Stadtkirche, um 1600

Die Einführung der Reformation gelang aufgrund eines katholischen Umfeldes mit Unterstützung der umliegenden mächtigeren Reichsstädte. Trotz der reichsweit eher geringen Bedeutung und entgegen der Maßnahmen des Kaisers und des Klosters Kirchheim am Ries, dem die Patronatsrechte Bopfingens oblagen, setzte die ehemalige Reichsstadt Bopfingen die neue Lehre durch.

1: Von der Siedlung zur Reichsstadt

Bereits im 9. Jahrhundert wurde Bopfingen, das am Westrand des Nördlinger Rieses im Egertal liegt, zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Norden grenzt der Zeugenberg Ipf, der ab der Jungsteinzeit besiedelt war, an die Stadt an. Aus der Gemarkung mit dem Ipf liegen bronze- und eisenzeitliche Funde vor. Der Ort Bopfingen geht möglicherweise auf die Landnahmezeit zurück; ab 500 n. Chr. ist eine alemannische Siedlung durch Reihengräberfunde nachweisbar. Bopfingen liegt an der Kreuzung zweier alter Handelsstraßen, von denen die eine von Augsburg über Dinkelsbühl nach Frankfurt am Main, die andere von Nördlingen über das Remstal an den Mittelrhein führte. Aufgrund dieses wirtschaftlich interessanten Standorts siedelten sich Fernhandelskaufleute an und Bopfingen wurde im 12. Jahrhundert von dem staufischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Stadtrecht verliehen. Nach dem Erlöschen der staufischen Dynastie ging die Stadt an das Reich über. Ab dem Jahr 1241 wurde Bopfingen in den Reichssteuerlisten geführt und gilt ab diesem Zeitpunkt als Reichsstadt.

2: Die Anfänge der Reformation: die Prediger Theobald Gerlacher und Wolfgang Vogel

Das Kirchenpatronat oblag zunächst den Grafen von Öttingen, die es im Jahr 1358 an das Zisterzienserinnenkloster in Kirchheim am Ries übertrugen. Die Reformation Bopfingens stand wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit der benachbarten mächtigeren Reichsstadt Nördlingen. In Nördlingen predigte 1522/23 Theobald Gerlacher aus Billigheim, ein Schüler Martin Luthers. Vermutlich wirkte auch bereits im Jahr 1522, sicher aber im Jahr 1524, ein evangelischer Prediger in Bopfingen: Wolfgang Vogel aus Reutlingen, der 1527 in Nürnberg enthauptet wurde.

3: Die Einführung und Durchsetzung der Reformation

Als im Jahr 1524 eine der sieben Pfründe, die Maria-Magdalena-Pfründe, frei wurde, die der Rat besetzen durfte, wurde der evangelische Prediger Jakob Jedler eingestellt, aber bereits ein Jahr später wieder entlassen. Es bestand offenbar die Befürchtung, auch wegen der vergleichsweise geringen Stellung Bopfingens im Reich, sich mit Kaiser Karl V. und dem Schwäbischen Bund übermächtige Gegner zuzulegen. Zudem brach der Bauernkrieg (1524-1525) zu diesem Zeitpunkt aus und bestärkte den Rat in seiner Zurückhaltung, die neue Lehre einzuführen. Der städtische Rat begründete seine Entscheidung, Jedler nicht weiter zu beschäftigen, mit den Schicksalen, die den evangelischen Predigern vielerorts widerfuhren. Trotzdem scheint der Gottesdienst in Bopfingen zunehmend von der Reformation beeinflusst worden zu sein. Von 1530 bis 1546 reformierte der Rat das Kirchenwesen: das Patronatsrecht des Klosters Kirchheim wurde soweit beschnitten, dass dem Kloster lediglich die Mitaufsicht über die Kirchenpflege (Blasiuspflege) verblieb. Ab 1546 stellte der Rat zudem nur noch einen Pfarrer und einen Vikar anstelle der ursprünglich bis zu sieben Geistlichen an. Im selben Jahr erfolgte mit der Annahme der Confessio Augustana die Entscheidung zugunsten der neuen Lehre. Als Reaktion auf ein darauf folgendes Ultimatum des Kaisers trat Bopfingen Ende des Jahres 1546 entgegen der Anweisung des Kaisers in den Schmalkaldischen Bund ein. Deutlich ist die Durchführung der Reformation an den Kirchenbüchern Bopfingens zu sehen: seit 1546 wurden diese in deutscher Sprache geführt. Die Niederlage des Schmalkaldischen Bundes im Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) bedeutete auch für Bopfingen das Interim und somit die Rekatholisierungsmaßnahmen des Kaisers annehmen zu müssen. Der evangelische Pfarrer Johann Vogler wurde entlassen und wie in anderen Reichsstädten auch die gültige Verfassung der Stadt abgesetzt. Während des Krieges wurde Bopfingen drei Tage durch die kaiserlichen Truppen besetzt und ausgeplündert. Bei seinem Abzug soll Kaiser Karl V. gesagt haben: „Par Dio, dem Städtlein haben wir’s grob gemacht!“ Die Situation änderte sich durch den Aufstand des Kurfürsten Moritz von Sachsen gegen den Kaiser. Mit der Unterstützung der evangelischen Linie der Grafen von Öttingen schließlich konnte wieder ein evangelischer Pfarrer in Bopfingen eingesetzt werden.

Es ist beachtenswert, dass sich die kleine Stadt überhaupt gegen sämtliche Rekatholisierungsmaßnahmen behaupten konnte. Dies gelang vor allem durch das Engagement der Bürgerschaft und die Zusammenarbeit mit anderen Reichsstädten. Ein Beispiel verdeutlicht die Verbindung der Reichsstädte untereinander: Pfarrer Daniel Haack, der von 1673 bis 1702 Stadtpfarrer Bopfingens war, gab ein Gesangbuch mit dem Titel „Nördlingisches Gesangbuch oder: singendes Haus- und Kirchen-Paradies“ heraus, das sowohl in Nördlingen als auch in Bopfingen eingeführt wurde und von 1688 bis 1774 in etwa 20 Auflagen erschien. Durch die Eingemeindung der überwiegend katholischen Ortschaften und den Zuzug katholischer Heimatvertriebener in der Mitte des 20. Jahrhunderts gehört die Mehrheit der Bevölkerung in Bopfingen heute dem katholischen Glauben an. Die Lage Bopfingens in einem vorwiegend katholischen Umland ist vermutlich auch der Grund für die eher holprige Einführung der Reformation in Bopfingen.

4: Die Auswirkungen der Reformation auf das Kirchen- und Schulwesen

Die Spannungen zwischen dem Kloster Kirchheim und Bopfingen konnten auch durch den Augsburger Religionsfrieden im Jahr 1555 nicht gelöst werden. Im Gegensatz zu anderen Reichsstädten, in denen nach Einführung der Reformation die Zuständigkeit für das Kirchenwesen vollständig an den Rat übertragen wurde, verblieb in Bopfingen das Patronatsrecht weiterhin in den Händen des Klosters Kirchheim; die Äbtissin besoldete den Pfarrer und bekam dafür den Zehnten. Immer wieder kam es zu Differenzen bezüglich des Bauwesens und der Ausstattung der Pfarrstellen. Erst im Jahr 1774 gelang es der Stadt endgültig, das Kirchenpatronat durch einen Tausch zu erwerben. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein eigenes „Consistorium“ für kirchliche Angelegenheiten eingerichtet.

Die Reformation hatte auch Auswirkungen auf das Schulwesen Bopfingens. Zusätzlich zu der bereits im Jahr 1342 erwähnten Lateinschule wurde jetzt eine „Teutsche“ Schule eingerichtet. Beide Schulen waren im Alten Schulhaus beherbergt, das im Jahr 1814/15 erneuert wurde. Aufgrund der zunehmenden Schulraumnot wurde im Jahr 1847 ein neues Schulhaus eingeweiht. Die Lateinschule wurde im 19. Jahrhundert in eine Realschule umgewandelt, in der ab 1909 auch Mädchen unterrichtet wurden.

5: Die Entwicklungen seit dem 30jährigen Krieg

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Bopfingen durch Truppendurchzüge, Belagerungen und Pestwellen in der Stadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der kaiserliche Versuch, eine Rekatholisierung einiger Reichsstädte herbeizuführen, gipfelte 1630 in der Vertreibung sämtlicher evangelischer Geistlicher aus der Stadt. Die Bewohner Bopfingens ließen sich in ihrem Glauben allerdings nicht beirren und brachten ihre neu geborenen Kinder in das nahe gelegene Goldberghausen zur Taufe. Erst ab dem Jahr 1635 fand in Bopfingen wieder ein regelmäßiger evangelischer Gottesdienst statt. Die Kriege des späten 17. und 18. Jahrhunderts brachten für Bopfingen vor allem finanzielle Einbußen mit sich.

Mit der Mediatisierung im Jahr 1802 verlor die Stadt ihre Reichsunmittelbarkeit und wurde zunächst Bayern zugesprochen. Im Jahr 1810 erfolgte die Eingliederung in Württemberg und damit die Einführung der Württembergischen Kirchenordnung. Bis 1938 war Bopfingen Teil des Oberamtes Neresheim, im Anschluss daran wurde es dem Landkreis Aalen angegliedert. Seit 1973 gehört Bopfingen, das in die Zuständigkeit des Dekanats Aalen fällt, zum Ostalbkreis. Bereits um 1700 verfügte Bopfingen über den größten Anteil an Grundbesitz der Ortschaft Oberdorf. Mit der Erlaubnis der Grafen von Öttingen, die ebenfalls Grundherren waren, siedelten sich ab dem Jahr 1510 Juden in Oberdorf an, nachdem sie aus den Reichsstädten vertrieben worden waren. Im 19. Jahrhundert stieg die Anzahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinde auf 548 Seelen an. Durch Gemeindereformen wurden in den Jahren 1970 bis 1975 die Ortschaften Flochberg, Schloßberg, Kerkingen, Trochtelfingen, Baldern, Oberdorf, Aufhausen und Unterriffingen nach Bopfinge eingemeindet.

6: Die Stadtkirche St. Blasius

Die heutige evangelische Stadtkirche, die um 1200 auf einem hölzernen Vorgängerbau aus dem 8./9. Jahrhundert errichtet wurde, wurde erstmals im 1299 erwähnt und war dem heiligen Blasius geweiht. Die Kirche vereint verschiedene Baustile: etwa um 1300 wurde die Stadtkirche im gotischen Stil umgebaut, das Kirchenschiff weist allerdings noch romanische Fragmente auf. Eine Besonderheit ist der 1472 fertig gestellte, spätgotische Altar von Friedrich Herlin. Im 15. Jahrhundert wurde die Nordseite der Stadtkirche erheblich erweitert. Bemerkenswert ist auch das Sakramentshäuschen aus grauem Keuperstein, das bis 1510 von Hans Böblinger erbaut wurde. Der Neubau des Kirchturms 1612/13 zeigt das enge Verhältnis des städtischen Rates und des Klosters Kirchheim im Kirchenwesen Bopfingens. Die Kosten von rund 8000 Gulden wurden auf die Heiligenpflege, das Kloster Kirchheim und den städtischen Rat umgelegt.

7: Wallfahrtsort und Mirakelbuch

Im Jahr 1465 erhielt die St. Blasius Kirche als Schenkung des Grafen Johann von Helfenstein eine Reliquie: einen Röhrenknochen des heiligen Blasius. Diese Reliquie, die Bopfingen in vorreformatorischer Zeit zu einem Wallfahrtsort machte, soll eine Heilung des Grafen Ulrich von Öttingen bewirkt haben. In einem Mirakelbuch aus dem Jahr 1512, das im umfangreichen Bopfinger Pfarrarchiv erhalten ist, sind 178 Wundertaten des heiligen Blasius niedergeschrieben. Unter diesen Wundertaten ist auch diejenige des Grafen Ulrich von Öttingen vermerkt. Vermutlich ging die Reliquie im Dreißigjährigen Krieg verloren.

Aktualisiert am: 17.07.2015