Schoell, Jakob

Von: Lächele, Rainer

Inhaltsverzeichnis
  1. 1: Familienverhältnisse
  2. 2: Biografische Würdigung
  3. Anhang

1: Familienverhältnisse

V Johannes Schoell, Bauer in Boehringen

∞ 1894 Emilie, geb. Hagenmayer (1867-?)

K Otto, Gerhard (*1899), Hedwig (*1902), Anna Luise (*1909)

2: Biografische Würdigung

Jakob Schoell (1866-1950)

Landeskirchliches Archiv, Bildersammlung, U1, Nr. 92 (Nr. 561)

Schoell wurde am 11. September 1866 in Böhringen auf der Schwäbischen Alb geboren. Von 1884 bis 1888 studierte er in tübingen als Stiftsangehöriger evangelische Theologie. 1889 erwarb er den Titel eines Dr. phil. 1888 war er als Vikar und Pfarrverweser in Walddorf tätig. 1890 bis 1892 übernahm er eine Vertretung am Gymnasium in Ulm. Im Spätsommer 1892 unternahm Schoell eine wissenschaftliche Reise nach Italien. Sie war gewissermaßen der Lohn für seine vorzüglichen Examina.

1905 wurde Schoell zum ersten Vorsitzenden des Landesverbandes der Evangelischen Arbeitervereine gewählt. Seit 1906 vertrat er Göppingen in der 7. Landessynode.

Seit 1918 wirkte Schoell als Prälat des Sprengels Reutlingen und wurde somit auch Mitglied der Kirchenleitung. Im Oberkirchenrat war Schoell zuständig für die Bereiche Schule und Religionsunterricht. Der Vertreter der liberalen, volkskirchlichen Richtung betätigte sich als aktives Mitglied der Freien Volkskirchlichen Vereinigung. Schoells Tätigkeit beschränkte sich jedoch keineswegs auf die Kirchenverwaltung. Er war vielmehr ein Mann der Öffentlichkeit, der gut schrieb und nicht zuletzt auch viel gelesen wurde. Die hohen Auflagen seiner zumeist knappen Bände sprechen für sich.

Als Beispiel dafür kann seine schmale Christenlehre stehen, die 1934 erschien und als „Unterweisung für Erwachsene“ verstanden wurde. Schoell wollte hier das Wesentliche des christlichen Glaubens formulieren, ohne jedoch dogmatisch zu reden. Der damaligen herrschenden Ideologie des Nationalsozialismus mussten Sätze wie „Kirche ist eine Gemeinschaft besonderer Art“ als Angriff auf das Ideal der „Volksgemeinschaft“ besonders anstößig erscheinen.

Gerade nach 1918 versuchte er mit Bänden wie „Vaterlandsliebe und Christentum?“, „Was ist's mit dem Eigentum?“ oder „Ist mit dem Tode alles aus?“ Antworten auf die allgegenwärtigen Sinnfragen nach dem verlorenen Krieg zu geben.

Eine wesentliche Rolle spielte Schoell auch im Evangelischen Volksbund für Württemberg, dem mitgliederstärksten protestantischen Verband Württembergs nach dem Ersten Weltkrieg. Schoell leitete 1919 den Gründungsausschuss des Evangelischen Volksbundes und bekleidete seit 1919 die Position des zweiten Vorsitzenden. 1923 bestand der Volksbund aus 750 Ortsgruppen und  225.000 Mitgliedern, und hatte somit 20 Prozent der erwachsenen evangelischen Bevölkerung Württembergs hinter sich.

Seine vielfachen Pflichten im Deutschen Kirchentag und im Deutschen Evangelischen Kirchenausschuss machten ihn weit über Württemberg hinaus bekannt. Der Ökumeniker Schoell unterhielt schließlich weltweite Kontakte als Teilnehmer an Weltkirchenkonferenzen und als Mitglied im Ökumenischen Rat. 1924 und 1929 trat Schoell bei den Wahlen zum Amt des Kirchenpräsidenten an. 1929 unterlag er dem späteren Landesbischof Theophil Wurm nach einem spannenden Abstimmungsduell.

Schoell verließ Ende 1933 des Oberkirchenrat und trat in den Ruhestand. Der 67-jährige Prälat hatte schon früh Skepsis an den Reichskirchenplänen der Deutschen Christen geäußert und öffentlich die durch den Nationalsozialismus beförderte Hinwendung kirchenfremder Menschen zur evangelischen Kirche bezweifelt. Obwohl er sofort ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst beantragte, wurde Schoell zum Bauernopfer, das die evangelische Kirchenleitung den dominierenden Deutschen Christen gegenüber brachte – als Beitrag zur „Verjüngung der Kirchenleitung“. Zwischen 1936 und 1940 übernahm Schoell zahlreiche Stellenvertretungen  an Stuttgarter Kirchengemeinden. Nach der Zerstörung seines Stuttgarter Hauses 1943 lebte Schoell bis zu seinem Tod am 2. Mai 1950 in seinem Geburtsort Böhringen. Im Rückblick wurde Schoells „nüchterner, schwäbischer Wirklichkeitssinn“ wie auch seine absolute Wahrhaftigkeit hervorgehoben

Aktualisiert am: 28.11.2016