Arnold, Walter

Von: Quack, Jürgen

Walter Arnold. LKAS, Bilderrsammlung, Nr. 7441. Fotograf H. Kirschner

Oberkirchenrat, Leiter des Referates für Mission, Ökumene, kirchliche Entwicklungsarbeit und Publizistik 1973 - 1993

„Die Ökumene ist aus der Mission erwachsen und die ökumenische Zusammenarbeit soll eine gemeinsame Mission ermöglichen.“ Kaum einen Satz habe ich von Walter Arnold in den 70er und 80er Jahren so häufig gehört wie diesen. Das war damals nicht selbstverständlich. Es gab nicht wenige Menschen in Württemberg, die meinten, Mission und Ökumene schlössen sich gegenseitig aus. Einige behaupteten, der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) habe sich unchristlich weit von der Bibel entfernt. Andere vertraten die Ansicht, dass die Mission durch ihr unkritisches Verhältnis zum Kolonialismus diskreditiert sei und nicht fortgesetzt werden solle. Demgegenüber betonte Walter Arnold die Zusammengehörigkeit dieser beiden Dimensionen kirchlicher Arbeit. Diese Verbindung zu veranschaulichen und zu begründen, sei eine der Hauptaufgaben des „Dienstes für Mission und Ökumene“ der Landeskirche.

Walter Arnold verband sein pietistisches schwäbisches Erbe mit einem ökumenischen Horizont. Das Theologiestudium führte ihn nach Tübingen, Zürich und Basel. Nach dem Examen ging er mit einem Stipendium des ÖRK für ein Jahr an ein Baptistisches Seminar in den USA. In Württemberg war er zunächst Vikar des Stuttgarter Jugendpfarrers Theo Sorg, dann Gemeindepfarrer in Ludwigsburg.

1960 heirateten Walter Arnold und die Ärztin Dr. med. Elfriede Seids (1925-2017). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Gabriele (seit 2016 Prälatin des Sprengels Stuttgart) und Christoph (Arzt).

1964 wählte ihn der deutsche CVJM zu seinem Generalsekretär und die Familie zog nach Kassel um.

1973 wurde er als Oberkirchenrat in die württembergische Kirchenleitung berufen und übernahm von Ulrich Fick das Referat für Mission und Ökumene, kirchlichen Entwicklungsdienst und Publizistik.

„Gott schuf den Menschen mit Leib und Seele. Seelsorge und Leibsorge gehören zusammen.“ Gegen manche Ängste, dass die Entwicklungshilfe die Mission verdrängen könnte, hat Arnold immer wieder darauf hingewiesen, dass zu jeder rechten Mission von Anfang an auch die Sorge für Kranke, für ausreichende Ernährung, für Bildung und für die Einhaltung der Menschenrechte gehörten.

Mit großem Engagement verfolgte er die Stationen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Einen wichtigen Schritt sah er darin, dass die Kirchen zum ersten Mal seit der Reformation die Lehre vom „gerechten“ Krieg ablehnen und auf eine Überwindung der politischen Institution des Krieges hinarbeiten. Er trat dafür eine, dass Deutschland den Waffenhandel einschränkt und letztlich völlig davon Abstand nimmt. So förderte er auch die Gründung des Ökumenischen Netzes Württemberg als Zusammenfassung der Gruppen in der Landeskirche, die sich um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bemühen.

In den Jahren nach der Weltmissionskonferenz in Bangkok 1973 gab es in Württemberg eine heftige Diskussion, die in der Forderung gipfelte, die Landeskirche solle ihre Mitgliedschaft im ÖRK ruhen lassen. Nach zehn Jahren der Auseinandersetzung und Klärung beschloss die Landessynode, weiter im ÖRK mitzuarbeiten. Die Mitgliedschaft solle aber „selbständiger als bisher“ wahrgenommen werden. Als Konsequenz dieser Entwicklung kandidierte Arnold 1983 bei der Vollversammlung in Vancouver für einen Sitz im Zentralausschuss und wurde gewählt. Damit begann eine neue Phase der aktiven Mitarbeit der Landeskirche im ÖRK, die vor allem durch seine Person geprägt wurde.

Besonders setzte er sich für eine Annäherung der Evangelikalen zum ÖRK – und umgekehrt – ein. Dabei arbeitete er eng mit David Gitari, dem anglikanischen Erzbischof von Kenia, und dem indischen Missionstheologen Vinay Samuel zusammen.

Auf Arnolds Initiative hin trafen sich 1987 und 1989 in Württemberg zum ersten Mal Vertreter des ÖRK mit Theologen aus der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation und der weltweiten Evangelischen Allianz zu Gesprächen über das Missionsverständnis. Eine ähnliche Konsultation mit orthodoxen und evangelikalen Theologen fand durch seine Vermittlung Anfang 1993 wiederum in Württemberg statt.

Arnolds vielfältige Kontakte in alle Welt brachten viele Besucher nach Stuttgart. Viele von ihnen waren Gäste im Haus von Walter und Elfriede Arnold, die als Fachärztin für Anästhesie tätig war.

Walter Arnold stand der pietistischen Ludwig-Hofacker-Vereinigung nahe und hatte gute Kontakte zum synodalen Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“. Er warb dort um eine konstruktive Mitarbeit des Pietismus in der ökumenischen Bewegung. Er betonte, dass es ohne den Pietismus nie eine ökumenische Bewegung gegeben hätte, denn der habe die konfessionellen Grenzen durchlässig gemacht. Der Pietismus müsse im ÖRK mitarbeiten, um „die Kirchen in ihrer weltweiten missionarischen und evangelistischen Aufgabe zu unterstützen“ (Verfassung des ÖRK III,3). Mit seinem Bemühen um die Bibel könne der Pietismus helfen, die Worte „gemäß der Heiligen Schrift“ in der Basisformel des ÖRK ernst zu nehmen. Mit seiner kirchenkritischen Haltung könne er helfen, die stetige Aufgabe der „Erneuerung der Kirche“ (Verfassung des ÖRK III,5) nicht aus dem Auge zu verlieren.

Arnold förderte auch die Gründung der Hilfsorganisation „Hilfe für Brüder“. Er war der Meinung, dass Gott sowohl durch die ökumenische wie die evangelikale Bewegung wirke und diese daher zusam¬menarbeiten müssten.

Er sorgte dafür, dass die ganze Vielfalt der Ökumene in den Prälaturteams des „Dienstes für Mission, Ökumene und Entwicklung“ (DiMOE) präsent war. An Anfang waren darin vor allem die früheren Heimatmissionare der Basler und der Herrnhuter Mission tätig. Dazu kamen bald Entwicklungshelfer von „Dienste in Übersee“, Missionare evangelikaler Missionsgesellschaften und zurückkehrende Auslandpfarrer. Diese Vielfalt der Grundeinstellungen und der Erfahrungen machte die weltweite Kirche in Gemeinden und Schulen präsent. 1975 stieß mit Martin Ngnoubamjum aus Kamerun der erste ökumenische Mitarbeiter dazu. Weitere kamen u.a. aus den Kirchen in Ghana, Südafrika, Indien, Korea, Japan und Indonesien. Viele von ihnen wurden nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatkirchen als Bischöfe oder Professoren tätig.

Parallel zum DiMOE half Arnold bei der Gründung des „Zentrums für entwicklungsbezogene Bildung“ (ZEB), das 1998 an den DiMOE angeschlossen wurde. Dort wurden vor allem die Kontakte zu Weltläden und entwicklungsbezogenen Aktionsgruppen gepflegt.

Während seiner ganzen Dienstzeit war Walter Arnold der Vertreter der Landeskirche im Missionsrat des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS). Mehrere Jahre war er auch dessen stellvertretender Vorsitzender wie auch des Deutschen Zweiges der Basler Mission.

Er war in vielen Funktionen in Württemberg (z.B. Vorsitz des CVJM Stuttgart, Vorsitz im Beirat der Württembergischen Bibelgesellschaft, Mitglied im Rundfunkrat und im Verwaltungsrat des Süddeutschen Rundfunks), in Deutschland ( u.a. im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und im Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes) sowie weltweit (z.B. Präsident des YMCA Weltverbandes 1977-81) tätig.

Wegen einer schweren Erkrankung konnte er im Februar 1993 nicht mehr zum Treffen des Zentralausschusses des ÖRK nach Johannesburg fahren. Darauf kaum aus der Sitzung ein Brief an ihn, der von allen 140 Mitgliedern des „Parlaments der Ökumene“ unterschrieben war.

Das durch Walter Arnold repräsentierte Engagement der Landeskirche im Ökumenischen Rat wurde dadurch anerkannt, dass bei der Vollversammlung des ÖRK in Harare 1998 die junge württembergische Theologin Heike Bosien in den Zentralausschuss des ÖRK und Eberhardt Renz, 1993 Arnolds Nachfolger als Referent für Mission, Ökumene und Entwicklung im OKR und seit 1994 württembergischer Landesbischof, zu einem der Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen gewählt wurden.

Aktualisiert am: 16.03.2021