Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg

Von: Jana Hausmann

Geleitwort

Nach gut zwei Jahrzehnten erscheint nun wieder ein Pfarrerbuch des Württembergischen Zweiges der Baden-Württembergischen Pfarrerbücher. Dieses Buch stellt somit den V. Band dieser Reihe dar.

Die einzelnen Bände des Baden-Württembergischen Pfarrerbuchs beschreiben die evangelische Pfarrerschaft und listen zudem die Religionslehrer und Theologieprofessoren an den höheren Schulen auf.

Das Pfarrerbuch Herzogtum soll ein biographisches Nachschlagewerk evangelischer Geistlicher darstellen und damit eine verbesserte Version des Generalmagisterbuches von Pfarrer Christian Sigel. Dieses Werk ‚Das Evangelische Württemberg. Seine Kirchenstellen und Geistlichen von der Reformation an bis auf die Gegenwart.‘ (1931) umfasst insgesamt 13 Personenbände und 22 Ortsbände. Der auch sogenannte ‚Sigel‘ ist für die Erforschung des Pfarrwesens und der einzelnen Pfarrerfamilien ein unbestreitbarer Meilenstein und unentbehrlich für Historiker oder Genealogen. Jedoch sind die Einträge durch die am Rand eingefügten, in Sütterlinschrift verfassten Ergänzungen unübersichtlich und für viele schwer lesbar. Das hier vorliegende Pfarrerbuch ist nun die verbesserte Version für einen bestimmten Zeitraum der Kirchengeschichte.

Die Region, für die ein Pfarrerbuch erstellt wird, richtet sich oft nach den Grenzen der evangelischen Landeskirchen, die wiederum auf die Grenzen der Länder bzw. Provinzen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückgehen.

Die Herausgeberschaft des vorliegenden Bandes ist wie bei jedem seiner Vorgänger und auch seinem Nachfolger Pfarrerbuch Königreich Württemberg der Verein für Württembergische Kirchengeschichte und der Verein für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Die Reihe ist somit für beide Landeskirchen gedacht. An dieser Stelle ist ein Dank an die beiden Vereine angebracht, ohne die es diese wichtige Reihe der Pfarrerbücher nicht geben würde. Des Weiteren ist Max Adolf Cramer in den Vordergrund zu stellen. Er fungierte nicht nur als Mittelsmann zwischen den beiden Vereinen der Landeskirche, sondern war zudem an allen Baden-Württembergischen Pfarrerbüchern beteiligt. Max Adolf Cramer war Pfarrer in Mannheim sowie Kirchenhistoriker und Genealoge. Schon Cramers Großvater, Max E. F. H. Cramer (1859-1933), war Familienforscher und befasste sich mit der schwäbischen Familienkunde. Er schrieb die jeweiligen Kirchenbücher der Orte ab und erstellte somit sein Privatarchiv, welches auch über Jahrzehnte nach seinem Tod hinaus von Genealogen genutzt wird.

Schon seit Ende des 18. Jahrhunderts werden Pfarrerbücher publiziert und es entstand diese neue Gattung eines Gelehrtenlexikons. Im Jahr 1794 erschien das erste Pfarrerbuch von Gustav Carlblom: Prediger Matricul Ehstlands und der Stadt Reval.

Die Entstehung des hier beschriebenen Pfarrerbuchs erstreckte sich über Jahrzehnte. Schon bevor es für den Verein für Württembergische Kirchengeschichte 1948 zur Aufgabe wurde, die Pfarrerbücher für Württemberg herauszugeben, gab es Überlegungen für ein Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg. Die württembergischen Gelehrten sahen, dass Pfarrerbücher in den anderen Bundesländern von enormer Wichtigkeit für kirchenhistorische oder genealogische Forschung waren. So fanden sich schon am 24. Juli 1947 bei einem Arbeitskreis in Schmalfelden einige, die an einem Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg interessiert waren, zusammen: Max-Adolf Cramer, Wolfgang Cramer (Onkel von Max-Adolf Cramer, der das Werk und Privatarchiv seines Vaters fortführte), außerdem Gustav Bossert und Georg Lenckner u.v.w. Die Autoren des Pfarrerbuchs Herzogtum Württemberg beschlossen, das Buch in drei Teile aufzuteilen. Der erste Teil sollte die Gebiete der Kirchen- und Schulstellen beinhalten, der zweite die Pfarrer, also die Kirchen- und Schuldiener. Der dritte Teil ist ein Register, bestehend aus einem Namen-, Orts- und Berufsregister. Der online verfügbare zweite Teil wurde von Max-Adolf Cramer u.v.w. erarbeitet und von Hansjörg Kammerer aufwändig überarbeitet und beendet.

Nun können nach sieben Jahrzehnten die Investitionen und Überlegungen des im Jahr 1947 stattfindenden Arbeitskreises Realität werden.

Vorbemerkungen

Die Autoren des Pfarrerbuchs Herzogtum Württemberg haben sich zum Ziel gesetzt, alle Pfarrer, die im Herzogtum Württemberg von Beginn an 1534 bis zum Jahr 1806 tätig waren, zu verzeichnen. Im Anschluss daran soll es ein weiteres Pfarrerbuch geben, das Pfarrerbuch Königreich Württemberg, welches die Pfarrer die im Königreich Württemberg von 1806 an tätig waren auflisten wird. Dies wird auch auf der Seite wkgo.de veröffentlicht werden. Das Pfarrerbuch Herzogtum kann zudem in der Landeskirchlichen Zentralbibliothek als Manuskript eingesehen werden.

Die Pfarrer des Pfarrerbuchs Herzogtum sind aber nicht nur alphabetisch aufgelistet, sondern sind auch mit Lebensdaten, Informationen zur ihrer Laufbahn, Ehen, Eltern und zu ihren Kinder versehen. Des Weiteren wird über die Ausbildung und Pfarrstellen der Pfarrer informiert. Ebenso sind die Werke von den jeweiligen Pfarrer sowie über die einzelnen Kirchendiener aufgeführt.

Neben den Pfarrern ist die Berufsgruppe der Schullehrer von Christian Sigel in seinem Werk am besten erforscht und die Informationen sind im Gegensatz zu den anderen Berufen der Familienmitglieder der Pfarrer im Pfarrerbuch Herzogtum aufgenommen.

Als letzte Vorbemerkung sei noch die Namenschreibung erwähnt. Eine einheitliche Namenschreibung wie wir sie kennen ist eigentlich erst ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts üblich. Vor dieser Zeit haben Pfarrer und natürlich auch andere Gelehrte die Namen nach ihrem Wissen in die Kirchenbücher o.ä. geschrieben. Es gibt sogar manche unter den Pfarrern, die selbst verschiedene Varianten ihres Nachnamens benutzten.

Aber auch trotz der uneinheitlichen Namenschreibung waren und bleiben die Pfarrerbücher unentbehrliche Hilfsmittel für die Orts-, Kirchen- oder auch Kulturgeschichte. Das Pfarrerbuch Herzogtum bietet einen Einblick in das Leben der württembergischen Pfarrer in einer bewegten Zeit von drei Jahrhunderten.

 

Stuttgart im Oktober 2018

 

Aktualisiert am: 23.11.2018