Scheffbuch, Rolf

Von: Schnurr, Jan Carsten

Rolf Scheffbuch (1931-2012)

Fotograf: Bernhard Weichel. Mit freundlicher Genehmigung

Den Grundstein für Rolf Scheffbuchs Entwicklung zu dem vielleicht wichtigsten Repräsentanten des württembergischen Pietismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts legte sein Elternhaus. 1931 in Calw geboren, wuchs er in Stuttgart auf. Der Vater, Adolf Scheffbuch, im Dritten Reich entschieden regimekritisch, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg leitender Mitarbeiter im Kultusministerium und CDU-Landtagsabgeordneter. Er vermittelte dem ältesten von sechs Kindern die Faszination für politische und kirchliche Mitgestaltung. Die Mutter, Maria Scheffbuch, und die Großmutter, Johanna Busch, entstammten einer traditionsreichen pietistischen Großfamilie und prägten ihren Sohn bzw. Enkel mit einer erwecklichen, zugleich bildungsbejahenden Bibelfrömmigkeit, die er als fröhlich und unverkrampft erlebte.(1) Großen Einfluss besaßen daneben die beiden Onkel und bekannten Evangelisten Wilhelm und Johannes Busch, deren Vorbild und seelsorgerlicher Begleitung Scheffbuch Entscheidendes für seine geistliche Entwicklung zugeschrieben hat.(2) Unter anderem vermittelten sie ihm die Vision für eine missionarische Jugendarbeit im Rahmen der Landeskirche oder des CVJM, wie sie auch in Stuttgart bald aufblühte. Von 1965 bis 1974 war Scheffbuch dann selbst Leiter des Evangelischen Jugendwerks (bis 1971: Evangelisches Jungmännerwerk) in Württemberg. Wissenschaftlich-theologische Anregungen hatte er während seines Studiums in Bethel, Tübingen und Bonn vor allem von Helmut Thielicke, Otto Michel und Adolf Köberle erhalten; eine bei Köberle in Tübingen begonnene Doktorarbeit blieb unvollendet.(3)

Die längste Zeit seines beruflichen Lebens lagen Scheffbuchs Aufgaben in der Gemeindearbeit. Zwischen 1959, dem Jahr seiner Eheschließung mit Sigrid Gutbrod, und 1965 war er dritter Pfarrer am Ulmer Münster. Ab 1975 lebte die inzwischen sechsköpfige Familie in Schorndorf, wo Rolf Scheffbuch 14 Jahre lang als Dekan und Gemeindepfarrer wirkte. Er besaß die Fähigkeit anschaulich zu predigen, aber auch Menschen auf einer persönlichen Ebene zu begegnen, Vertrauen zu gewinnen und zur Mitarbeit zu motivieren. 1989 bis 1995 kehrte er – nun als Prälat – ans Ulmer Münster zurück. Auch das Amt des Regionalbischofs verstand er als ein pastorales Amt der Begleitung und des Zuspruchs, diesmal für die etwa 500 Pfarrerinnen und Pfarrer seines Sprengels. Gerade die seelsorgerlichen Möglichkeiten seines Berufes waren ihm wichtig. „Es gehört zum besonderen Vorrecht eines Pfarrers, dass er Schwerstkranke und Sterbende begleiten darf“, meinte er etwa(4) und ermutigte dazu, mit Menschen, denen das Gebet fremd geworden ist, gemeinsam zu beten.(5)

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Rolf Scheffbuch jedoch als Kirchenpolitiker. Die Weichen hierfür hatte der württembergische Landesbischof Martin Haug gestellt, als er den jungen Theologen 1957 nach dessen Vikariat zu seinem persönlichen Referenten berief. Die drei Jahre auf dem Oberkirchenrat gaben Scheffbuch Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen des kirchenleitenden Amtes. Von Haug ermutigt, kandidierte er 1965 für die württembergische Landessynode, wurde deren Mitglied und blieb bis 1989, als er wegen seiner Berufung ins Prälatenamt aus der Landessynode ausschied, eine ihrer prägenden Persönlichkeiten. Scheffbuchs kirchenpolitisches Engagement fiel in die Zeit, in der die nunmehr flächendeckend durchgeführte Urwahl zur württembergischen Landessynode(6) dem schwäbischen Pietismus neues Gewicht und damit unerwartete Möglichkeiten der Mitgestaltung brachte. Synodale, die dem Pietismus nahestanden, sammelten sich in dem Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ (bis 1971: „Bibel und Bekenntnis“), der in der Synode über eine relative, zeitweise sogar absolute Mehrheit verfügte. Von 1977 bis 1989 war Scheffbuch Sprecher des Gesprächskreises, daneben mehr als zwei Jahrzehnte lang auch Mitglied der Synode der EKD, in der er eine theologische Minderheitenposition repräsentierte. Als profilierter Kirchenpolitiker, dem viele auch ein hohes politisches Amt zugetraut hätten, wusste er eloquent und verbindlich aufzutreten, Mehrheiten zusammenzubringen und Kompromisse zu schließen. Er konnte aber auch polarisieren, Gegnern entgegentreten und Kompromisse ablehnen, wo er die Geltung von Bibel und Bekenntnis bedroht sah. Das „Kämpferische“, meinte er einmal im Rückblick, sei „eine Gabe Gottes auch, die er manchen Leuten verleiht, die nicht aus falscher Schüchternheit zurückstecken müssen, die stellvertretend für andere eintreten müssen, auch wenn sie schlaflose Nächte haben, ob’s denn richtig war, dass sie den Mund aufgemacht haben“.(7) Scheffbuch wusste, dass er in seiner Kirche nicht nur Freunde besaß.

In der Kritik stand er etwa, als der württembergische Synodalpräsident Oskar Klumpp im Vorfeld des Stuttgarter Kirchentages 1969 zurücktrat, nachdem ihm eine von Scheffbuch mitunterzeichnete Presseerklärung Indiskretionen bezüglich der Beteiligung des Pietismus an dem Großereignis vorgeworfen hatte.(8) Kontrovers war auch die langjährige Auseinandersetzung um die württembergische Haltung zur Genfer Ökumene.(9) Neue missionstheologische Ansätze, denen schon der junge Scheffbuch als Teilnehmer der Ecumencial Student Conference 1955/56 in Athens (Ohio) und als Jungdelegierter auf der Dritten Vollversammlung des ÖRK 1961 in Neu-Delhi begegnet war, hatten in den sechziger Jahren zu inhaltlichen Schwerpunktverschiebungen in der Ökumene geführt. Besonders augenfällig wurden diese in dem 1969/70 entwickelten Antirassismus-Programm mit seinem Sonderfonds zur humanitären Unterstützung verschiedener, auch militärisch operierender, Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika und in der um die Jahreswende 1972/73 durchgeführten Weltmissionskonferenz in Bangkok. Sie veranlassten Scheffbuch als Vorsitzenden des Synodalausschusses Diakonie/Ökumene/Mission gemeinsam mit Landesbischof Helmut Claß, ein Gesprächstreffen einer württembergischen Delegation mit Vertretern des Weltkirchenrates in Genf zu organisieren. Bei dem Treffen vom 16. bis 18. Juni 1974 legten die Württemberger einen Fragenkatalog vor,(10) der ihre Sorge widerspiegelte, der ÖRK habe binnen weniger Jahre sein biblisches Missionsverständnis durch eine (links-)politische Befreiungstheologie und ein teilweise synkretistisches Dialogverständnis ersetzt. Auch wenn Mission dem Bildungsbürger seit Lessing „als Glaubensfanatismus, als Intoleranz“ gelte, wie Scheffbuch wenig später vor der EKD-Synode konzedierte, gehörten nach seiner Auffassung sozialdiakonische Hilfe und das auf „Bekehrung Andersgläubiger“ zielende Glaubenszeugnis zusammen,(11) denn „eine Christenheit, die hilft, aber nicht redet, ist unsozial, lieblos. Mission ist unaufgebbar“.(12) Seine Initiative, die über die EKD bestehende Mitgliedschaft der württembergischen Landeskirche im ÖRK in eine „unmittelbare Mitgliedschaft“ umzuwandeln und diese dann vorerst ruhen zu lassen, scheiterte 1981 nur knapp.(13)

Rolf Scheffbuchs Bedeutung für den theologisch konservativ-pietistischen Flügel der Landeskirche lag allerdings nicht nur in seiner synodalen und kirchenleitenden Tätigkeit. Von dem Korntaler Pfarrer Fritz Grünzweig gefördert, war er schon Ende der 1960er Jahre zu einer treibenden Kraft auch in der 1951 als Evangelisch-Kirchliche Arbeitsgemeinschaft für Biblisches Christentum gegründeten württembergischen Ludwig-Hofacker-Vereinigung (heute: Christusbewegung „Lebendige Gemeinde“) geworden. Fast zwei Jahrzehnte lang, zwischen 1980 und 1999, stand er ihr vor. Als Netzwerk der alt- und neupietistischen Kräfte in der württembergischen Landeskirche wurde sie im Laufe der Jahre zu einem Forum und Impulsgeber für diverse missionarische und diakonische Initiativen, Aktionen und Werke. Hierzu zählten etwa die Hilfsorganisationen Hilfe für Brüder und Christliche Fachkräfte International, das Tübinger Albrecht-Bengel-Haus, die Jugendmissionskonferenzen und die Süddeutschen Missionswochen. Auf publizistischem Gebiet entstanden eine eigene Lesepredigtreihe für Lektoren bzw. Prädikanten, die Lutherbibel erklärt und die Zeitschrift Lebendige Gemeinde. Zentrale Veranstaltung blieb die seit 1956 jährlich an Fronleichnam stattfindende Ludwig-Hofacker-Konferenz (seit 1996: Christustag), die ein sprunghaftes Wachstum erlebte und seit den siebziger Jahren zumeist parallel an mehreren Orten abgehalten wurde.(14) Gemeinsam mit seinem Bruder Winrich, einem Stuttgarter Pfarrer, brachte Rolf Scheffbuch auch den von der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ 1973 in Dortmund veranstalteten evangelikalen Gemeindetag unter dem Wort nach Württemberg: Seit 1975 wurde die Ludwig-Hofacker-Konferenz in mehrjährigen Abständen (bis 2002 sieben Mal) zu einem für ganz Deutschland konzipierten Gemeindetag in Stuttgart ausgeweitet. Diese Großveranstaltungen, die die Württemberger – anders als Teile der Bekenntnisbewegung – von kirchenpolitischer Konfrontation mit der Landeskirche oder dem Deutschen Evangelischen Kirchentag freihalten und als glaubensstärkende „Feste des Volkes Gottes“(15) gestalten wollten, erreichten in den 1980er Jahren Besucherzahlen von jeweils fünfzig- bis sechzigtausend.(16)

Die Organisationsform, die Scheffbuch und seine Kollegen für ihr diakonisch-missionarisches Engagement bevorzugten, war das aus Spenden finanzierte, von landeskirchlicher Versorgung und Kontrolle unabhängige und auf die Mitarbeit von Laien zählende „freie Werk“. Dem Einwurf, hier würden evangelikale „Parallelstrukturen“ zu bestehenden kirchlichen Einrichtungen geschaffen, begegnete Scheffbuch mit dem Hinweis, in der Kirchengeschichte seien geistliche Impulse meistens durch private Initiativen entstanden. Sein Paradebeispiel war Christian Friedrich Spittler, der visionäre schwäbische Sekretär der Basler Christentumsgesellschaft, der mit der Gründung zahlloser pädagogischer, missionarischer und karitativer Einrichtungen die deutsche Missionsbewegung des 19. Jahrhunderts mit in Gang gesetzt hatte und den er einmal als seine Lieblingsgestalt in der Kirchengeschichte bezeichnete.(17) „Wache Christen wie Spittler haben immer zusätzliche Aktionen ins Leben gerufen – nämlich wenn Notwendigkeit dazu bestand“, schrieb Scheffbuch. „Derselbe Spittler, der doch als Gründer der Baseler Mission gelten darf, hat auf der Chrischona ein weiteres Missionsausbildungsinstitut geschaffen, weil er Bedarf dafür sah. … Wir dürfen uns heute nicht allein mit der Pflege des Überkommenen begnügen!“(18) Umgekehrt wird man vermuten dürfen, dass die freien Werke und vielfältigen Aktionsformen der Ludwig-Hofacker-Vereinigung dazu beitrugen, zahlreiche erwecklich gesinnte Christen Württembergs, die sonst nach freikirchlichen Alternativen gesucht hätten, innerhalb der Landeskirche zu halten. Rolf Scheffbuch jedenfalls stand für ein landeskirchliches Christentum, auch wenn er mit großer Sympathie von den amerikanischen Freiwilligkeitskirchen sprechen und mit freikirchlichen Christen eng zusammenarbeiten konnte. Er erinnerte gerne an das Beispiel Johann Albrecht Bengels, der bei aller Kirchenkritik in seiner Kirche geblieben war und sie, so glaubte Scheffbuch, nachhaltig positiv verändert hatte.(19)

Die Kirchengeschichte spielte für ihn auch sonst eine wichtige Rolle. Seine Leidenschaft für die „Erforschung des Lebens ‚christlicher Väter und Mütter‘“(20) veranlasste Scheffbuch, in zahlreichen Vorträgen, Artikeln und Büchern dem schwäbisch-pietistischen Milieu ein Bewusstsein für seine Geschichte zu vermitteln. Hierzu zählten Figuren wie Bengel, Hofacker, Kapff und Blumhardt,(21) aber auch Frauen wie Sophie Zeller-Siegfried, Charlotte Reihlen oder Scheffbuchs Urgroßmutter Pauline Kullen(22) sowie die Dichter evangelischer Lieder quer durch die Jahrhunderte, die ihn nach eigener Einschätzung mehr geprägt hatten als alle theologischen Werke.(23) Ausführlich beschäftigte er sich mit der Geschichte Korntals, wo er nach seiner Pensionierung mit seiner Frau lebte und sich bis zuletzt mit Verkündigung und Seelsorge in die dortige Evangelische Brüdergemeinde einbrachte.(24) In Schriften, Vorträgen und Führungen erläuterte er Interessierten die weltweiten missionsgeschichtlichen Wirkungen, die von der kleinen, 1819 gegründeten pietistischen Siedlung ausgegangen waren. Dass Rolf Scheffbuch auch die von ihm selbst erlebte und mitgestaltete württembergische Kirchengeschichte der letzten Jahrzehnte historisch zu reflektieren vermochte, erlebte, wer sich mit ihm darüber unterhielt.

So wichtig Scheffbuch seine schwäbischen Wurzeln waren, so sehr faszinierte ihn die weltweite Christenheit. Bereits 1955/56 hatte ein Studienjahr in den USA neue Verbindungen geschaffen und seinen kulturellen und kirchlichen Horizont erweitert. Hinzu kamen seine Teilnahme an wichtigen ökumenischen Treffen und das internationale Engagement im Rahmen der Missionswerke – aber auch Reisen, die sich aus Scheffbuchs weltweiten Kontakten ergaben.(25) Besonders wichtig wurde für ihn die Lausanner Bewegung für Weltevangelisation. Die Eindrücke, die er von dem Ersten Lausanner Kongress im Juli 1974 und der darin integrierten seelsorgerlich-evangelistischen Stadionveranstaltung mit Billy Graham mitnahm, hatten, wie er später schrieb, großen Einfluss auf die Gestaltung der Stuttgarter Gemeindetage unter dem Wort.(26) Mehrere „Lausanner“ Theologen aus dem globalen Süden, wie z.B. Bischof Festo Kivengere aus Uganda, Gottfried Osei-Mensah aus Ghana und Ajith Fernando aus Sri Lanka, traten später auch in Stuttgart als Redner auf. Scheffbuch knüpfte Kontakte zu Kirchen etwa aus der Ostafrikanischen Erweckungsbewegung, von denen er Impulse für das eigene kirchliche Leben erhoffte. Er beteiligte sich an weltweiten Konsultationstreffen, war Mitglied des Internationalen Lausanner Komitees und leitete mehrere Jahre lang dessen Europäischen Zweig. In dieser Funktion trat er angesichts weitreichender Säkularisierung für eine „Neu-Evangelisierung Europas“ ein.(27) So zählte er auch zu den Hauptverantwortlichen der 1993 mit Billy Graham, von 1995 an mehrmals mit Ulrich Parzany durchgeführten europaweiten Großevangelisation ProChrist.

Hinter all diesen Aktivitäten stand Scheffbuchs Überzeugung, dass Allein Jesus Christus, der Gekreuzigte – so der Titel seines letzten, posthum erschienenen Buches (28)– die Mitte evangelischer Theologie bilden dürfe. Er sei für den Glaubenden „der Einzige, der dann auch im Tode festhalten kann“.(29) Zu Scheffbuchs Gewohnheiten gehörte es, täglich vier Kapitel in der Bibel zu lesen. Dass Teile seiner Kirche die Verlorenheit des Menschen ohne Gott oder den stellvertretenden Opfertod Christi in Zweifel zogen, deutete er als „erschreckenden Abbruch der Brücken zwischen der Bibel und der Gegenwart“.(30) Auch sein eigenes konservativ-pietistisches Milieu empfand er in späteren Jahren manchmal als zu angepasst. Scheffbuch wollte seine Zeitgenossen „zur Sache“ rufen,(31) indem er sie an die reformatorischen Exklusivpartikel erinnerte: „Gott rettet allein durch Christus, allein durch seine Gnade, allein durch den Glauben an ihn. So rettet Gott, allein so!“(32) Diese Kritik zielte auf den liberalen Zeitgeist. Scheffbuch warnte aber auch vor einer frommen Selbstsicherheit und Siegermentalität, die er vor allem in der charismatischen Bewegung,(33) aber teilweise auch im Pietismus wahrnahm. „Mich stört der Unterton von Sicherheit“, schrieb er, „als ob denn auch nur einer von uns schon das himmlische Ziel erreicht habe.“(34)

Von solchen kritischen Urteilen nahm Rolf Scheffbuch sich selbst nicht aus. „Es war meist eigene Schuld mit dabei, wenn ich in großes Gedränge kam“, schrieb er 1996,(35) und zu seinem achtzigsten Geburtstag: „Im zerrinnenden Leben wird mir immer erschreckender bewusst, wie schwer ich durch meine Art Menschen … belastet habe.“(36) Besonders einige krisenhafte Momente, etwa die Vorbereitung einer Predigt über „Sündenvergebung“ im Winter 1962, die er als erschütterndes Bewusstwerden von eigenem Versagen erlebte, oder eine riskante Krebsbehandlung 2001 mit den sie begleitenden Ängsten und Selbstzweifeln hatten dieses Gefühl der eigenen Unvollkommenheit verstärkt.(37) Sie hatten Scheffbuch aber auch die paulinische Rechtfertigungslehre und die Aussage von der Christusgemeinschaft existentiell bedeutsam gemacht. Römer 4,5 („Gott macht Gottlose gerecht!“) wurde für ihn so zu einer Schlüsselerkenntnis,(38) Lukas 15,2 („Jesus nimmt die Sünder an“) ein „Zuspruch des unsichtbar gegenwärtigen Jesus an mich“.(39) So blickte Rolf Scheffbuch zuversichtlich in die Zukunft. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 2012 ist er verstorben. Er liegt auf dem Korntaler Friedhof begraben.

Erstabdruck in: Kirchliches Jahrbuch für die Evangelische Kirche in Deutschland 2012 (Jg. 139/1), Gütersloh 2015, S. 136–143. Mit freundlicher Genehmigung.

 

Aktualisiert am: 27.06.2016