Blumhardt, Christian Gottlieb

Von: Ising, Dieter

Christian Gottlieb Blumhardt

Christian Gottlieb Blumhardt (Lithographie J. Velten / Kauffmann)

gemeinfrei (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)

Er war ein theologisch gebildeter Mann, körperlich leidend, in seinen Entscheidungen vorsichtig, manchmal ängstlich. Aber den von ihm ausgebildeten über 300 Basler Missionsschülern hat er ein Gefühl für Gerechtigkeit eingeprägt, besonders gegenüber leidenden Menschen, die er als "ehrwürdige Menschen-Klasse" bezeichnet. Dazu gehören für ihn auch die Opfer der Sklaverei.


Der 1779 in Stuttgart geborene Christian Gottlieb Blumhardt stammt aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater Johann Matthäus Blumhardt ist Schuhmacher, die Mutter Christine Barbara geb. Völcker eine Schuhmacherstochter. Christian Gottlieb, von 1798 bis 1803 Theologiestudent in Tübingen, ist einer der frommen Studenten, die den "Verein christlicher Studierender" gründen, auch "das Kränzchen" oder "die Pia" genannt. Später haben der "Pia" unter anderen Ludwig Hofacker, Christian Gottlob Barth und Johann Christoph Blumhardt angehört. 1803 wird Christian Gottlieb von Christian Friedrich Spittler, dem überlasteten Sekretär der Christentumsgesellschaft, nach Basel gerufen. Er soll ihm das Veröffentlichen von Berichten abnehmen und die Erbauungsstunden der Gesellschaft halten. Blumhardt und Spittler, der entscheidungsfreudige Praktiker, ergänzen sich in idealer Weise.

Der für die Tätigkeit in Basel beurlaubte Blumhardt wird 1807 vom Stuttgarter Konsistorium zurückgerufen, um kirchliche Dienste in Württemberg zu übernehmen. Anfangs Vikar in Derendingen bei Tübingen, wird er 1809 Pfarrer in Bürg, heute Ortsteil von Neuenstadt am Kocher. Im gleichen Jahr heiratet er Julie geb. Maier.

Die Anfangsjahre der Basler Mission

Aber Spittler lässt ihn nicht los und beruft ihn zum Inspektor der 1815 gegründeten Basler Mission. So prägt Blumhardt die Anfangsjahre dieses großen Werks, das bis heute Missionare in alle Welt schickt. In den ersten Jahren beschränkt man sich auf die Ausbildung von Sendboten für die englische Church Missionary Society, was aber zu Differenzen führt. Seit 1821 werden Basler Missionare in eigene Arbeitsgebiete entsandt, nach Südrussland und Persien, an die westafrikanische Goldküste und nach Südwestindien.
Blumhardt, der Theologe und Schriftsteller, gibt 1816–1838 das Magazin für die neueste Geschichte der evangelischen Missions- und Bibelgesellschaften heraus. 1828–1837 tritt er mit dem dreibändigen Versuch einer allgemeinen Missionsgeschichte der Kirche Christi an die Öffentlichkeit. Bereits 1807 hat er sein Buch Lazarus der Leidende, Kranke, Sterbende und Auferweckte publiziert.

Als im Jahr 1827 Basler Missionare nach Liberia, ins malariaverseuchte Westafrika, entsandt werden sollen, hat Blumhardt vorrangig das Leiden der einheimischen Bevölkerung im Blick. Wenn "die schnöde und barbarische Habsucht der Europäer jedes Jahr wenigstens 60.000 unglückliche Schlachtopfer armer Neger den Sklavenketten Westindiens überliefert", wenn die Sklavenhändler das Klima nicht scheuen – sollen sich dann die Verkündiger des Evangeliums von dort fernhalten? Das wäre "eine Schmach des Namens Christi".

Christian Gottlieb ist der Cousin des Vaters von Johann Christoph Blumhardt, dem Theologen der Hoffnung und Seelsorger in Möttlingen und Bad Boll. Ihre Lebenswege kreuzen sich, als der junge Johann Christoph 1830 Missionslehrer in Basel wird. Sein Vorgesetzter sei ihm ein väterlicher Freund gewesen, schreibt Johann Christoph. Er und seine Frau Doris geb. Köllner werden im September 1838 von Christian Gottlieb Blumhardt getraut. Einige Wochen später erkrankt der Inspektor. Er stirbt am 19. Dezember 1838 in der Hoffnung, auch nach seinem Tod an Gottes "Reichssache auf Erden", der Mission, teilnehmen zu können: "Wenn ihr euch hier unten über einen Sieg freut, so denket immer, ich feire droben mit."

Aktualisiert am: 27.06.2016