Spittler, Ludwig Timotheus

Von: Grützmacher, Johannes

Ludwig Timotheus Spittler

Ludwig Timotheus Spittler

Quelle: Württ. Landesbibliothek

Am 11. November 1752 wird Ludwig Timotheus Spittler als Sohn eines Stiftskirchendiakons und späteren Prälaten in Stuttgart geboren. Der hochbegabte und ehrgeizige Spittler gilt heute als einer der bedeutendsten und vielseitigsten Kirchen- und Profanhistoriker des 18. Jahrhunderts, der zugleich stets politisch wirkte.
Schon im Elternhaus wird er vom heiß diskutierten Konflikt zwischen württembergischem Herzog und Landständen früh politisiert. Er ist ein Aufklärer, aber beileibe kein Revolutionär – die alte ständische württembergische Verfassung bleibt ihm zeitlebens ein Ideal.
1770 beginnt er als Stiftsstipendiat das Theologiestudium in Tübingen. Eine wissenschaftliche Reise führt ihn nach Norddeutschland, wo ihn vor allem die Begegnung mit Lessing nachhaltig prägt. Dessen Stil eifert er später ebenso nach wie seiner aufklärerischen Theologie. 1777 wird er Stiftsrepetent, und schon zwei Jahre später erhält er einen Ruf an die Göttinger Universität.
Dort befasst er sich zunächst mit der Kirchengeschichte und veröffentlicht 1782 einen „Grundriss der Geschichte der christlichen Kirche“ – ein schmales, meinungsfreudiges Werk, dem großer Erfolg beschieden ist. Am Schluss dieses Werks entwirft Spittler die Vision einer ökumenischen Überwindung der Kirchenspaltung in einer aufgeklärten Kirche.
In den folgenden Jahren wandte Spittler sich der politischen Geschichte zu. Er verfasst bedeutende Werke über die Geschichte Württembergs und Hannovers und schließlich seinen großen „Entwurf der Geschichte der europäischen Staaten“. Spittler gilt aber auch als ein Meister der historischen Miniatur und der Kritik. Schon bald hat er seine berühmten Göttinger Kollegen an Ansehen übertroffen. Zunächst unsicher im Vortrag, entwickelt sich Spittler bald zu einem begnadeten Vortragsredner, dessen Vorlesungen weithin großen Anklang finden.
Spittler selbst hat in seiner Württembergischen Geschichte geschrieben, der Wechsel vom Katheder ins Kabinett sei noch den wenigsten gut geraten. Selbst will der ehrgeizige Professor aber diesen Schritt wagen und nimmt seine alten Beziehungen nach Württemberg wieder auf – mit Erfolg: Herzog Friedrich Eugen ernennt ihn 1797 zum Wirklichen Geheimen Rat. Als der Herzog aber noch im selben Jahr stirbt und der despotische Friedrich II. ihm nachfolgt, verdüstern sich die Aussichten Spittlers, reformerisch tätig sein zu können. Als Geheimer Rat ist er unter anderem für die Hochschulen tätig, und die Universität Tübingen hat ihm einiges zu verdanken. Auch seine äußere Karriere verläuft glänzend: Spittler wird zum Staatsminister und zum Freiherrn ernannt. Aber es gehört zur Tragik von Spittlers Leben, dass er, der scharfsinnige Historiker und Anhänger der altwürttembergischen Verfassung als Praktiker der Macht so wenig in der Lage war, Reformimpulse zu geben. Spittler litt darunter. Nach langer Krankheit starb er am 14. März 1810 in Stuttgart.

Aktualisiert am: 29.03.2019